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Plattformen

Was ist eine Plattform und welche Rolle spielen sie in den Sozial- und Geisteswissenschaften?

Internationale Vernetzung spielt nicht nur für Wissenschaftler/innen, sondern auch für Forschungsförderer eine immer größere Rolle. Aus diesem Grund förderte die EU-Kommission über das 7. Forschungsrahmenprogramm sogenannte Plattformen als  Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahmen. Diese Plattformen stehen seitdem europäischen und internationalen Förderinstitutionen offen. Ziele sind:

  • die Vernetzung der nationalen Förderinstitutionen, die durch bessere Kenntnis der internationalen Förderlandschaft ihre nationalen Programme besser aufeinander abstimmen können.
  • die Erstellung gemeinsamer Forschungsagenden zwischen der EU und einer bestimmten Weltregion im Stakeholder–Dialog. Diese Forschungsagenden können die Vorbereitung der Arbeitsprogramme in Horizont 2020 beeinflussen.
  • die internationale Vernetzung von Wissenschaftler/innen.
  • die Vernetzung der internationalen Forschergemeinde mit politischen Entscheidungsträgern, NGOs, der Zivilgesellschaft, internationalen Behörden/Organisationen, der Wirtschaft etc.

Seit Herbst 2013 beteiligt sich der Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR PT) an zwei Plattformen mit Indien und dem Transatlantischen Raum, um die internationalen Verbindungen zu Ministerien und anderen Förderinstitutionen in diesen Regionen zu verstärken und gemeinsam neue Forschungsförderagenden zu entwickeln, die jeweils für beide Weltregionen relevant sind. Diese Forschungsagenden sollen dann in die Gestaltung der Arbeitsprogramme in Horizont 2020 einfließen.

 

Transatlantik Plattform (T-AP)

Die Transatlantische Plattform für Geistes- und Sozialwissenschaften (T-AP) wurde von 2013 bis 2016 durch die Europäische Kommission finanziert und zielte auf die Vernetzung amerikanischer (USA, Kanada, Mexiko, Chile, Brasilien und Argentinien) und verschiedener EU-Förderorganisationen (Frankreich, Finnland, Großbritannien, Niederlande, Portugal, Deutschland) sowie Forschender in den Sozial- und Geisteswissenschaften ab. Im Kontext dieser Vernetzungsmaßnahme wurden laufende Forschungsprojekte der Partnerländer identifiziert und vernetzt, sowie gemeinsame Schwerpunkte für die Kooperation und konkrete Forschungsthemen für Horizont 2020 herausgefiltert. Während der Laufzeit fanden verschiedene Vernetzungstreffen und Expertenworkshops mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von beiden Seiten des Atlantiks statt. Themen waren u.a. Digital Humanities, Migration und Immigration, Soziale Innovationen und Sozial-ökologische Forschung.

2016 veröffentlichte die T-AP eine erste Ausschreibung im Bereich “Digging into Data”. In diesem Rahmen werden Forschungsprojekte gefördert, die "Big Data"-Ansätze, also Techniken zur großformatigen digitalen Datenanalyse, verwenden, um spezifisch sozial- und geisteswissenschaftliche Fragestellungen zu untersuchen und damit zu neuen Einsichten zu gelangen.

Die ausgewählten Forschungsprojekte bestehen aus mindestens drei an T-AP teilnehmenden Ländern, davon mindestens je ein Partner dies- und jenseits des Atlantiks. Deutschland ist über den DLR Projektträger (im Namen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)) sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) an den Aktivitäten der Trans-Atlantic Plattform beteiligt.

Trotz dem Auslaufen der EU-Förderung im September 2016 haben sich die teilnehmenden Förderorganisationen darauf verständigt, das Netzwerk aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen. Weitere Ausschreibungen und Veranstaltungen für die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften werden mittelfristig geplant.

Aktuelle Informationen finden Sie unter http://www.transatlanticplatform.com

 

Indien Plattform (EqUIP)

Die europäisch-indische Plattform für Sozial- und Geisteswissenschaften (EqUIP) wird seit 2014 von der EU finanziert (Laufzeit: Juni 2014 - April 2017) und vom britischen Economic and Social Research Council (ESRC) koordiniert. An der Plattform beteiligen sich je ein bis zwei Förderorganisationen der Länder Indien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Portugal, Niederlande, Norwegen, Österreich, Slowenien und Deutschland). Indischer Partner ist der Indian Council for Social Science Research (ICSSR), als deutsche Partner nehmen sowohl der DLR Projektträger (im Namen des BMBF) als auch die DFG an der Plattform teil.

Obwohl Indien und Europa durch historische Beziehungen miteinander verbunden sind, steht die Forschungskooperation in den Geistes- und Sozialwissenschaften noch am Anfang. EqUIP hat daher zum Ziel, Förderorganisationen europäischer Länder und Indiens zusammenzubringen, zu vernetzen und eine langfristige enge multilaterale Forschungskooperation in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu entwickeln.

Den nationalen Förderorganisationen wird zu diesem Zweck ermöglicht, "Best Practice"-Erfahrungen auszutauschen, bestehende Kooperationsaktivitäten zu koordinieren und neue Partnerschaften zu bilden. EqUIP nutzt dazu auch die auf europäischer Ebene erfolgreich aufgebauten Fördernetzwerke „New Opportunities for Research Funding Agency Co-operation in Europe“-NORFACE (Sozialwissenschaften) und „Humanities in the European Research Area“-HERA (Geisteswissenschaften) als Grundlage für eine Ausweitung der Außenbeziehungen des Europäischen Forschungsraums mit Indien.

Um Themenschwerpunkte für zukünftige europäisch-indische Förderinitiativen zu identifizieren, hat EqUIP sechs Symposien durchgeführt, an denen Wissenschaftler/innen aus Indien und den beteiligten europäischen Ländern teilgenommen haben. Die Plattform hat außerdem Forschungsthemen für das europäische Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 erarbeitet.

Weitere Informationen finden Sie unter http://equipproject.eu/

 

Wie können Wissenschaftler/innen davon profitieren?

Relevante Veranstaltungen, Ausschreibungen und Expertenrunden für deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geistes- und Gesellschaftswissen werden über diese Website beworben. Für direkte Rückfragen zu den Aktivitäten der Plattformen stehen Ansprechpartnerinnen (s. Kasten rechts) zur Verfügung.